De-Mail: 500 Neuzugänge und neuer Verdacht

Die deutsche E-Mail-Alternative De-Mail gilt als sicher. Dass das nicht stimmen muss, legte ein Sprecher auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs dar. Er erklärte, wo die Lösung ihre Schwachstellen hat. Derweil meldet der bislang alleinige Provider, die Deutsche Telekom, Erfolg um Erfolg für De-Mail.

„Die Deutsche Telekom (…) hat schon mehr als 500 Aufträge der öffentlichen Verwaltung gewonnen. Das E-Government-Gesetz (EGovG), das am 31. August 2013 in Kraft getreten ist, wird die Nachfrage weiter verstärken. Das Gesetz soll die elektronische Kommunikation mit Behörden vereinfachen. Sie sind künftig verpflichtet, elektronische Dokumente entgegenzunehmen. Mit Hilfe von De-Mail reduzieren Behörden ihre Durchlauf- und Bearbeitungszeiten und sparen Geld für Druck, Porto und Papier. Außerdem liegen Dokumente direkt online vor und müssen nicht noch gescannt oder physisch transportiert sowie archiviert werden.“ – Gerade das Interesse von Regierungsstellen und Behörden macht aber nachdenklich, wenn man Linus Neumanns Vortrag (Video) auf dem Jahreskongress des Chaos Computer Clubs 30C3 anhört.


Der Netz-Aktivist und Sicherheitsberater Neumannäußerte sich sehr scharf darüber, dass De-Mail eine „Technologie aus den Neunzigern“ darstelle – in anderen Worten: veraltet. Ferner habe man rein behördlich-bürokratisch agiert und insgesamt zu kurz gedacht. De-Mail sei ohne technischen Sachverstand gebaut worden. Per Gesetz sei im Nachhinein beschlossen worden, dass die kostenpflichtige E-Mail sicher sei – ohne dass sie es wirklich sei, natürlich.

De-Mail sei inkompatibel mit dem Rest der Welt, die Verschlüsselung finde nur auf dem Transportweg statt. Die Server seien angreifbar und müssten es auch sein – für die Geheimdienste, allen voran den deutschen BND. Die De-Mail sei also eine reine Wirtschafts-Förderungs-Maßnahme. Sein Fazit unter Zitierung von Edward Snowden lautete: „Keine Regierung ist so blöd, ihren Bürgern ein abhörsicheres Kommunikationsmedium zu geben.“ Neumann ist in diversen Regierungsausschüssen tätig und kritisiert dort seinen eigenen Angaben zufolge digitale „Schnellschüsse“ der Bundesregierung.

 

 

 

 

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