Sonys Minidisc: Das letzte Speichersystem seiner Art

Das letzte noch verbreitete magneto-optische Datenträgersystem nähert sich seinem kommerziellen Ende. Sony will im März 2013 das letzte System mit der Minidisc auf den Markt bringen. Ein Nachruf mit Bildern längst vergessener Datenträgersysteme, die für viel zu kurz geratene Ewigkeiten gebaut wurden.

Sony hat das Ende der Minidisc (MD) angekündigt, das berichtet unter anderem Cnet Japan, und es geht aus der japanischen Pressemitteilung der letzten Minidisc-Anlage hervor. Die letzte MD-Anlage wird voraussichtlich im März 2013 in Japan ausgeliefert. Danach gibt es keine neue Hardware. Zwar wird es weiterhin Garantieleistungen geben, aber keine neuen Anlagen, portablen Player oder gar USB-Laufwerke. Sony wird nur die Medienproduktion aufrechterhalten. Mit dem Ende der Minidisc endet auch eine Ära der digitalen Speichersysteme.

Die Minidisc war einmal ein System mit Vorteilen, die teilweise erst mit dem Aufkommen des Flash-Speichers wieder erreicht wurden. In Zeiten, in denen der Austausch von Daten zwischen Anwendern mehr als nur anstrengend war, als es noch keine USB-Sticks gab, es einfach keine Option war, mit einem melodisch fiependen Modem mal eben eine Fotosammlung zu verschicken und jeder sein eigenes Format hatte, waren die Minidiscs ein Teil einer enormen Medienvielfalt, sowohl im Musik- und begrenzt auch im Datenbereich.

Vom Flop zu ersten Erfolgen

Doch die Geschichte der MD begann mit einem Flop. Das erste und damals einzige verfügbare Gerät war der als „Walkman“ bezeichnete MZ-1, der in Deutschland Anfang 1993 auf den Markt kam, also vor ziemlich genau 20 Jahren. Verglichen mit den damals schon sehr schlanken und leichten Kassettenspielern namens Walkman war der MZ-1 ein regelrechter Brocken: 680 Gramm (inklusive Akku) verteilten sich auf 14 x 11,4 x 4,3 cm. Nicht nur die schieren Dimensionen, wegen derer das Gerät kaum in eine Jackentasche passte, verhinderten einen Erfolg.

Woran es hakte, merkten wir schon, als uns ein befreundeter Kollege seinen MZ-1 eine Woche nach dem Kauf für einen Bruchteil des Verkaufspreises von rund 600 Mark anbot: Die Akkulaufzeit war zu kurz. Maximal eine Stunde konnte der Rekorder mit einer Ladung aufzeichnen, abspielen nur ein paar Minuten mehr. Die Nickel-Cadmium-Akkus waren proprietär, ein externes Batteriefach erst angekündigt.

Aus Neugier auf ein discbasiertes digitales Audiogerät und den Klang der Atrac-Komprimierung haben wir den MZ-1 dann aber doch gekauft. Die miese Akkulaufzeit bestätigte sich, reichte aber für den Hin- und Rückweg zur Arbeitsstelle noch aus. Dabei war es schon faszinierend, während der Zugfahrt analog von Langspielsplatten aufgenommene Stücke in einzelne Tracks aufzuteilen und sie dann noch über die 10er Tastatur zu benennen. Endlich ein Medium, das man selbst bespielen konnte und das direkten Zugriff auf einzelne Stücke bot. Vor- und Rückspulen war Geschichte, und so stoßempfindlich wie ein CD-Walkman war der MZ-1 auch nicht.

Schlechter, aber rauschfreier Klang der ersten MD-Abspielgeräte

Leider war der MZ-1 auch nicht so klangstark wie ein CD-Walkman. Musik, auch wenn sie digital per SPDIF von einer CD überspielt wurde, klang flach und nicht dynamisch. Höhen waren merkbar gedämpft, und selbst sehr gute Produktionen wie die damals gerade als Remaster erschienene CD-Version von Pink Floyds „Dark Side of the Moon“ verloren viel von ihrem Reiz. Immerhin: kein Bandsalat und kein Rauschen wie bei der Kassette.

Auch in der Hi-Fi-Fachpresse hatte die MD schnell ihren Ruf als Klangkiller weg. Damals tobte noch stärker der – bis heute anhaltende – Streit um „analogen“ gegen „digitalen“ Klang, und das digitale Bandformat DAT gab es auch schon – ebenfalls von Sony erfunden. Der „DATman“, 1990 erschienen, lief zwei Stunden, war aber auch mit rund 1.500 DM viel teurer als die MD. Nur: Da hier keine Kompression stattfand, klangen von CD auf DAT kopierte Musikstücke auch wie CDs.

310 Gramm leichter Minidisc-Player

Sony steckte anschließend viel Arbeit in die Hard- und Software der Minidisc. Mit dem Mitte 1994 erschienenen MZ-R2, der nur noch 310 Gramm wog, kam das wesentlich besser klingende Atrac-2. Erst ein Jahr später waren die Geräte mit dem MZ-R3 aber auf das Format einer Kompaktkassette geschrumpft, und mit Atrac-3 erreichte die Kompression ein so hohes Niveau, dass sie unhörbar war. Die damals verfügbaren MP3-Encoder wie das Original des Fraunhofer-Instituts klangen in unseren Ohren jedenfalls schlechter. Hätte Sony das Format damals geöffnet und nicht stur an die Minidisc gebunden, wäre heute vielleicht der De-facto-Standard für Audiokompression nicht MP3, sondern Atrac.

Zudem hatte Sony mit Atrac-3 das Kopieren über mehrere Generationen, also von Minidisc zu Minidisc, soweit verfeinert, dass je nach Gehör erst nach dem vierten oder fünften Mal Verluste bemerkbar waren. Die waren offenbar beabsichtigt, denn auch wenn zwei MD-Rekorder digital verbunden wurden, gab es jedes Mal eine Neukompression des Materials, das ohnehin schon die Verluste vorheriger Durchgänge aufwies.

Proprietäre und hochqualitative MD-Übertragung für Tonstudios

Dass das auch anders geht, war nur in Tonstudios zu beobachten. Dort erfreute sich die MD schnell einiger Beliebtheit, nicht nur wegen der kleinen und robusten Discs. Sony hatte auch MD-Rekorder entwickelt, die über ein proprietäres Kabel die Daten direkt und ohne Neukompression mit doppelter Geschwindigkeit austauschen konnten. Zudem ließen sich Stellen im Stück über ein Jog-Dial direkt ansteuern und verzögerungsfrei starten – ideal für den Einsatz beim Rundfunk.

So verwendete unter anderem der Bayerische Rundfunk diese MD-Rekorder in seinen Studios. Weiterer Vorteil: Die damals schon digital auf Macs mit dem Programm Pro Tools produzierten Jingles und Best-of-Zusammenschnitte ließen sich auf einem lange haltbaren und auch mit Heimequipment abspielbaren Medium archivieren. Später wurde die MD jedoch auch in diesem Bereich von serverbasierten digitalen Audiosystemen verdrängt.

Sonys MXD-D3

Dass die Kopierzeit von CD auf MD ein Problem darstellte, zumal die ersten bezahlbaren Audio-CD-Rekorder mit doppelter Geschwindigkeit Mitte der 1990er Jahre auf den Markt kamen, bemerkte auch Sony. Nach weiteren MD-Geräten für Hi-Fi-Anlagen und auch Autoradios in den folgenden Jahren erschien so schließlich 1999 der MXD-D3.

Das Gerät im Format eines Hi-Fi-Bausteins besaß links ein CD-Laufwerk und rechts einen MD-Rekorder. Mit einem Knopfdruck konnte eine CD mit vierfacher Geschwindigkeit auf eine MD kopiert werden. Damit war die Wahl des passenden Albums für den Weg zur Arbeitsstelle kein Problem mehr – 15 Minuten für eine CD üblicher Länge fanden sich während des Duschens oder Frühstückens immer.

Eine besonders dämliche Idee der Musikindustrie zeigte sich mit dem MXD-D3 aber auch: Die Fehlermeldung „Text Protect“ wies darauf hin, dass die Namen der Stücke, die per CD-Text auf einigen Alben zu finden waren, nicht kopiert werden durften. Die musste der Nutzer per Zehnertastatur auf der Fernbedienung wieder eintippen, obwohl sie auf der CD schon gespeichert waren – wohlgemerkt ging es hier nur um die Titel der Songs, nicht um ganze Liedtexte.

Trotz dieser Einschränkung entwickelte sich das rund 600 DM teure Gerät schnell zum Geheimtipp, weil es dank guter Wandler auch als CD-Player überzeugte. Sogar andere digitale Quellen wie einen PC mit SPDIF-Ausgang konnte man durch die Nur-Wandler-Funktion des MXD-D3 wesentlich besser klingen lassen als über die analogen Ausgänge billiger Soundkarten.

Sinkende CD-R-Preise wurden zum Problem für die MD-Technik

Doch angesichts der immer günstiger werdenden CD-Rohlinge und vor allem der ebenfalls jährlich billiger und schneller werdenden CD-Rekorder für PCs hatte die Minidisc ihren Zenit als Medium für Musik schon überschritten. Dabei gab es die Minidisc nicht nur als beschreibbare, sondern auch als vorbespielte Medien, die in guten Kaufhäusern und Audioabteilungen zu finden waren. Die waren in Hüllen untergebracht, die Kassettenhüllen nicht unähnlich sahen, aber etwas mehr Luft hatten. Platz für ein kleines Booklet im praktischen Büchleinformat gehörte dazu.

Der große Vorteil der MD war damals die geringe Größe. Auch wenn Sony es verstand, die Technik so klein wie möglich zu machen, sind portable CD-Player bis heute wahre Monster am Gürtel. Ein MD-Player dagegen ist hosentaschentauglich. Die Geräte wurden im Laufe der Zeit sogar kleiner als der typische Kassetten-Walkman. Dabei war die MD-Technik der CD deutlich überlegen, allerdings auch teurer.

Vom Caddy zur MO-Technik – die MD hält viel aus

Minidiscs unterscheiden sich in ihrem Aufbau sehr von den meisten anderen Speichermedien. Bei den Discs ist ein Caddy Pflicht. Die Schutzhülle sorgt dafür, dass möglichst wenig Staub auf die Medien kommt. Der Laser eines Lesegeräts kann trotzdem auf den Datenträger strahlen, denn eine kleine Öffnung wird über einen Schieber (Shutter) freigegeben. Der hat im Unterschied zu vielen anderen Formaten keine Feder. Das Laufwerk muss selbst dafür sorgen, dass eine MD wieder verschlossen wird. Zudem ist der Schieber vor allzu neugierigen Nutzern geschützt. Ohne gezielten Fingernageleinsatz bekommt man ihn nicht auf.

Im Inneren ist die Minidisc verwandt mit der Magneto Optical Disk (MO-Disk) und der CD, und zwar sehr viel näher als viele denken. Das sogenannte Orange Book als Standarddokument findet sich in einigen MD-Spezifikationen und beschreibt eine CD-MO – also eine Compact Disc Magneto Optical. Gelesen wird ein MO-Medium technisch ähnlich wie eine CD mit einem Laser, dessen Licht vom Datenträger und seiner Reflexionsschicht zurückgeworfen wird und so die Bits erkennbar macht.

Magneto-Optik nutzt eine andere Schreibttechnik

Beim Schreiben gibt es hingegen Unterschiede zu rein optischen Medien, die für MD und MO gleichermaßen gelten. Beim magneto-optischen Verfahren wird die Disc beziehungsweise Disk punktuell aufgeheizt und dann durch einen Magneten so verformt, dass unterschiedliche Oberflächen für die Laserabtastung entstehen. Dafür sind anders als bei der CD zwei unterschiedliche Köpfe nötig. Im Sandwichverfahren wird die MD von unten auf 180 Grad Celsius gebracht, während der Magnetkopf die erwärmte und bewegliche Fläche mit Datenmustern beschreibt. Trotz des Konstruktionsaufwands durch die zwei Köpfe gelang Herstellern wie Sony oder Sharp eine erhebliche Miniaturisierung, die auch Hosentaschen-MD-Rekorder möglich machte.

Das ist der Grund dafür, dass beschreibbare MDs oben und unten eine Öffnung haben, während vorbeschriebene MDs nur unten geöffnet werden. Das gilt auch für die kleine MO im 3,5-Zoll-Format, nicht aber für die 5,25-Zoll-MOs. Diese haben zwei Seiten, weil die ziemlich dicken Scheiben auf beiden Seiten beschrieben werden können.

Das magneto-optische Verfahren ist langlebiger als andere Verfahren. Eine Minidisc kann beispielsweise bis zu einer Million Mal beschrieben werden. Phase-Change-Medien wie die DVD-RAM schaffen noch 100.000 Zyklen. Die beliebten RW-Medien schaffen nur 1.000 Schreibvorgänge. Letzteres ist für festplattenartige Zugriffsstrategien nicht gerade viel und vor allem hier kann die Minidisc noch heute ihre Vorteile ausspielen. Es ist schlicht egal, wo welches Musikstück technisch auf der Scheibe liegt.

Mit der Minidisc hat Sony eine ganze Konkurrenz-Infrastruktur zu Kassetten und CDs aufgebaut. Vorbespielte Medien im Handel, portable Player, gute Hi-Fi-Geräte und ein Bedienungskomfort, den Kassetten und CDs damals nicht boten. Gewissermaßen sind es kleine Festplatten mit anderer Aufnahmetechnik und denselben Nachteilen. Eine Minidisc kann durchaus im Laufe der Zeit fragmentieren. Das war für uns aber nie ein Problem.

Mit dem Aufkommen von Apples iPod und anderen Festplattenplayern wurde es vor über zehn Jahren immer schwieriger für Sonys MD und Sonys Partner, die ebenfalls MD-Equipment anboten. Insbesondere gegen Apple mit seinen Festplatten im CF-Format (iPod Mini) und der Konzentration auf Flash-Speicher konnte Sony nicht ankommen. Sonys Network-Walkman-Serie erreichte beispielsweise nie die Popularität von Apples iPods, die de facto zum neuen Walkman wurden. Der japanische Konzern gab die Minidisc trotz der schlechten Ausgangslage im vergangenen Jahrzehnt dennoch nicht auf und entwickelte sie parallel zu Flash-Playern weiter. Es gab sogar den Versuch eines Neustarts:

Neustart als Hi-MD mit 1 GByte Kapazität

Den meisten unbekannt dürfte der Umstand sein, dass Minidiscs auch als Datenspeicher dienen können. Mitte des vergangenen Jahrzehnts stellte Sony das USB-Laufwerk DS-HMD1 vor, das auch Teil des Neustarts der MD-Technik war. Es konnte auf die damals neuen Hi-MD-Medien 1 GByte speichern, auf alte Medien durch eine Neuformatierung immerhin rund 300 MByte statt etwa 170 MByte im alten Format.

Die kleinsten Minidiscs, die schon in der Anfangszeit als Datenträger dienen konnten, fassten damals 140 MByte. Das wohlgemerkt mit Medien, die schon genutzt wurden, als Anwender noch mit wabbeligen 5,25-Zoll-Floppy-Disks hantierten und um jedes KByte im Arbeitsspeicher oder auf den Medien kämpften. Trotzdem konnte sich die MD nicht als Datenspeicher durchsetzen. Beliebter waren Iomegas Zip-Laufwerke und vor allem in Japan die MO-Laufwerke.

Sony wollte die MD überall einsetzen

Sony hatte einiges mit der Hi-MD vor, wie aus einer Pressemitteilung vom März 2005 hervorgeht. So war damals nicht nur geplant, MP3 direkt von der MD abzuspielen, sondern diese auch als Medium für Kameras zu etablieren.

Gelungen ist beides nicht, trotz der hohen Speicherkapazität bei niedrigem Preis. Ein paar Monate zuvor, im Oktober 2004, berichteten wir noch von CF- und den heute fast vergessenen MMC-Karten, die mit 1 GByte unter 100 Euro zu haben waren – damals ein Schnäppchen. Im Mai 2005 musste der Interessent für eine schnelle 1-GByte-SD-Karte noch rund 150 Euro bezahlen.

Wer sich für die weiteren Unterschiede zwischen Minidisc und Hi-MD interessiert, dem empfehlen wir einen Blick ins Hi-MD-Specsheet, das Minidisc.org für die Nachwelt derzeit archiviert.

Unterschätzte MO-Technik und das Verschwinden von Archivtechniken

In Japan haben sich magneto-optische Systeme schon immer ganz gut verkauft. Neben Sonys Minidisc verbreitete sich dort auch die MO-Disk und wurde bis vor einigen Jahren vor allem von Fujitsu gut unterstützt. Olympus und Fujitsu boten auch in Deutschland 3,5-Zoll-MO-Laufwerke an. Die 5,25-Zoll-Medien der MO gab es auch noch, sie waren jedoch für den professionellen Einsatz bestimmt und für Endanwender noch weniger bezahlbar als die ohnehin schon teuren kleinen MOs. Ein Gigamo-USB-Laufwerk kostete 2001 rund 800 DM.

Die drei Datenträgersysteme haben bis heute große Vorteile und werden in wenigen Bereichen deswegen auch weiterhin eingesetzt. Die Medien sind in Schutzhüllen untergebracht. Magneten können ihnen wenig anhaben, denn für eine Veränderung der Daten müssen die Datenträger punktuell erhitzt werden, erst dann ist es mit einem Magneten möglich, Daten zu verändern. Das Auslesen passiert rein optisch. Und weil die Laufwerke hohe Zuverlässigkeit garantieren sollten, wurde nach dem Schreibvorgang noch einmal kontrolliert, ob alles geklappt hat. Das machte die Laufwerke allerdings teils sehr langsam. Für eine versprochene Haltbarkeit von 30 bis 50 Jahren musste der Anwender hinnehmen, dass eine MO erst einmal gelöscht, dann beschrieben und dann kontrolliert werden musste. Nur mit Direct-Overwrite oder auch Limdow genannte Medien sparten den ersten Durchgang.

Viele Speichersysteme sind schon nahezu verschwunden

Manch einer wagte es, seine Daten Iomega-Technik oder anderen Wechselplattenformaten statt optischen Systemen anzuvertrauen. Gerade Iomega prägte damals den Click of Death bei den zwischenzeitlich beliebten Zip-Laufwerken. Clik!- und die gar nicht mal so alten Rev-Laufwerke hatten sich nicht gut verbreitet. Und dann gab es noch Syquest, das eine Konkurrenz zu Iomegas Jaz-Laufwerken aufbauen wollte. Das probierte auch Castlewood Systems mit dem ORB-Drive. Einige dieser Formate sind mit Festplatten verwandt, nur dass die Platten nicht in einem geschlossenen Gehäuse untergebracht sind. Das machte die Medien sehr anfällig für Staub, der zwischen Platte und Schreib-/Lesekopf geraten konnte.

Zuverlässige Archivmedien sind selten geworden. Sony hat die Professional Disc for Data (PDD) schon vor sieben Jahren eingestellt. Das war eine archivfähige Blu-ray-Variante, die in einem Caddy geschützt wurde. Die DVD-RAM hat kaum noch Bedeutung, auch hier war ein Caddy völlig normal. Zudem besteht bei einigen DVD-RAM-Kombinationen Verletzungsgefahr. DVD-RAM-Laufwerke konnten immerhin noch alte PD-Medien mit Caddy lesen. Allerdings war die DVD-RAM2 nicht in allen Laufwerken lesbar. Die HD-DVD-RAM hat es trotz ihres Potenzials nie auf den Markt geschafft. Wir haben auf einer Internationalen Funkausstellung aber immerhin einmal ein Medium mit sichtbaren Sektoren gesehen – ohne Caddy.

Ein Exot ist Plasmons UDO-Technik, die mit der Blu-ray wegen des blauen Lasers gewissermaßen verwandt ist und eigentlich professionelle 5,25-Zoll-MOs beerben sollte. Der Hersteller geriet allerdings zwischenzeitlich in finanzielle Not und wurde von Alliance Storage Technologies (ASTI) gerettet. Jetzt wird zwar noch die zweite UDO-Generation mit 60 GByte Kapazität (doppelseitig) verkauft, allerdings lassen die dritte und vierte Generation auf sich warten. Seit 2007 ist beim UDO-Format nichts passiert. ASTI unterstützt sogar noch die alten optischen 12-Zoll-Datenträger. Selbst in Auktionshäusern ist die Technik selten, man findet aber noch Medien wie Sonys WORM-Disk WDM6DA0. Wir haben im Rahmen der Recherchen nicht herausgefunden, ob diese mit den damals seltenen 11,8-Zoll-Laserdiscs verwandt waren, die in Varianten teils mit Caddy (Sonys LVR-6000) auch beschrieben werden konnten. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf Laserdiscs und dergleichen näher einzugehen. Eine Übersicht über analoge Bildplattensysteme wie die Laserdisc bietet Elmar Dünßer – wie es sich damals gehörte, in schönstem frame-basierten HTML-Design.

Nicht nur optische Datenträger eignen sich als Archivmedium

Neben diesen nahezu verschwundenen optischen Archivsystemen haben sich in den vergangenen Jahren noch andere Systeme als Alternative im professionellen Bereich mehr oder weniger etabliert. Auch hier gab es vormals eine große Vielfalt, die über die Jahre immer kleiner wurde. Übrig geblieben ist bei den Bändern etwa die LTO-Technik, die Ende 2012 als LTO-6-Generation auf den Markt kam. Auch die sollen Lebenszeiten von 30 Jahren erreichen, doch die Laufwerke sind mit fast 3.000 Euro selbst für ambitionierte Anwender oder Fotografen viel zu teuer. Zudem sind LTO-Laufwerke nur zwei Generationen rückwärtskompatibel. MO und MD wurden hingegen auf Kompatibilität hin designt. Ein 2,3-GByte-MO-Laufwerk kann problemlos 230-MByte-Medien der zweiten Generation lesen und ein Hi-MD-Laufwerk liest natürlich auch alte 60-Minuten-MDs noch.

Mitunter werden Daten auf Archival-Grade-Medien untergebracht. Dazu gehören etwa auch 2,5-Zoll-Festplatten, die in RDX-Gehäusen stecken und derzeit maximal 1 TByte Speicherkapazität bieten. RDX-Medien sollen mehr als 30 Jahre lang halten. Allerdings nur bei entsprechend kontrollierter und wohltemperierter Lagerung (PDF). Selbst dann muss prinzipbedingt mit Ausfällen, beispielsweise beim Kugellager, gerechnet werden. Trotzdem: Mehr als einen Meter dürfen die RDX-Medien nicht fallen. Die leichten MOs oder MDs können deutlich mehr vertragen. Es gehörte sogar dazu, beim Wechsel einer MD im portablen Player das Medium mal fallen zu lassen.

Bezahlbare Archivformate

In die Marktlücke der günstigen Archivmedien versucht eine teure DVD zu stoßen, aber auch nur mit bescheidenem Erfolg. Von der M-Disc, die angeblich 1.000 Jahre halten soll, hört man nur wenig. Es gibt sie aber immerhin zu kaufen. Es scheint, als hätten Anwender kein Interesse an der Archivierung für die Enkelkinder, was zumindest irgendwann erneut Probleme mit den schreibenden Laufwerken mit sich bringen könnte, wenn sich damit kein Geld verdienen lässt. Immerhin kann die M-Disc in ganz normalen DVD-Laufwerken gelesen werden.

Bleiben noch Flash-Speicher, denen nicht die beste Haltbarkeit nachsagt wird, was aber sicher auch an vielen billig produzierten USB-Sticks liegt. Sandisks Memory Vault soll immerhin 100 Jahre überstehen. Die aktuell angebotene Kapazität von 8 oder 16 GByte reicht aber nicht einmal, um die Fotosammlung eines Urlaubs zu sichern. Auch auf Nachfrage konnte uns Sandisk auf der vergangenen Internationalen Funkausstellung nicht sagen, ob es einmal größere Medien geben wird.

Vom technischen Standpunkt her ist das Verschwinden der magneto-optischen Technik schade. Ihre Langlebigkeit und nahezu beliebige Wiederbeschreibbarkeit zollten Kenner sowohl im Audio- als auch im IT-Bereich Anerkennung. Allerdings wurde die Technik irgendwann nicht mehr weiterentwickelt. Sony und Fujitsu hatten beispielsweise Pläne, auf Blaue-Laser-Technik umzustellen und so deutliche Kapazitätssteigerungen bei MOs zu ermöglichen. Das wäre sicher auch mit der verwandten Minidisc möglich gewesen, die so schön handlich und robust ist. Verwirklicht wurde das nie.

Die Floppy überlebt die teure MO-Technik

Gegen die magneto-optische Technik sprach immer die komplizierte Technik, die billige Laufwerke unmöglich machte und zu dem Preis führte, der vielen Kunden zu hoch war. Da half auch das Argument nicht, dass die Medien 30 Jahre und mehr durchhalten würden, um den Anwender davon zu überzeugen, mehr Geld auszugeben – auch wenn die Technik in den vergangenen 20 Jahren bewiesen hat, dass sie ihr Geld wert war.

Der Caddy und die aufwendigen Lademechanismen kosten nun einmal Geld und sind sicher auch ein Grund dafür, dass erst die Daten-CD und später auch die DVD-RAM sowie beschreibbare Blu-rays ohne Schutzhülle benutzt wurden. Und ein weiterer Grund sprach gegen die MO-Technik: Sie ist beim Beschreiben prinzipbedingt sehr langsam. Beim Lesen waren die Laufwerke auch nicht besonders fix. Fujitsus Dynamo 2300U2 (PDF-Datenblatt) erreichte höchstens 8,5 MByte/s (2,3 GByte Gigamo). Schreibwerte gab Fujitsu lieber gar nicht an. Wir können leider nur Werte unseres Gigamo-Laufwerks der ersten Generation nennen: Bei einem 1,3-GByte-Medium erreichen wir 4 bis 5 MByte/s lesend und quälend langsame 650 KByte/s schreibend.

CD-Brenner erreichten früh hohe Schreibgeschwindigkeiten

CDs erreichten schon Ende der 1990er Jahre atemberaubende Geschwindigkeiten. 1999 berichteten wir von Kenwoods fast schon vergessener Multi-Beam-Technik namens TrueX. In der Anfangszeit von Golem.de waren CD-Datenraten von fast 8 MByte/s (52fach) bereits möglich und CDs konnten immerhin mit 8facher Geschwindigkeit gebrannt werden, was etwa 1,2 MByte/s entsprach. Dafür wurden in dieser Zeit Medien häufiger verbrannt. Weit verbreitet war der sogenannte Buffer-Underrun, bei dem beim Brennvorgang die Daten nicht schnell genug zum Laser kamen. Dagegen wurden Schutzmechanismen in die Firmware der Brenner späterer Generationen eingebaut, die sich früher qualitativ noch stark voneinander unterschieden. Manch ein Anwender klagt zudem, dass seine CDs aus der Anfangszeit der Brenner trotz erfolgreichem Brennvorgang jetzt nicht mehr lesbar sind. Nicht selten wurden zu billige Rohlinge aus dem Supermarkt genutzt. Die MO-Technik hatte all diese Probleme nie. Auch dass der eine Brenner bestimmte Rohlinge besser beschreiben kann als ein anderer, ist ein Phänomen, das der MO- und MD-Technik fremd ist.

Sonys Minidisc und die MO-Disk haben jeweils über 20 Jahre Lebenszeit erreicht. In der Zwischenzeit wurden viele Techniken eingeführt und wieder abgeschafft. Die MDs waren indirekt mit ISA-, Vesa-Local- und PCI-Bus verbunden und arbeiteten in Rechnern, die mit seriellen-, PS/2- und USB-Mäusen bedient wurden. Parallele Drucker und SCSI-Scanner verschwanden, von externem SCSI wurde zu USB (MO und MD) und Firewire (nur MO) gewechselt.

Das Archivierungsversprechen der Hersteller werden beide Techniken dennoch kaum erreichen. Denn die große Schwachstelle der Technik sind die Laufwerke, und die wird es bald nicht mehr geben. Ein Nachbau in Kleinserie wäre viel zu teuer. Ausgerechnet die 3,5-Zoll-Floppy-Disk mit 1,44 MByte hat dieses Problem nicht. Wer in seinem Keller ein gut erhaltenes Medium mit Maniac Mansion findet, geht einfach zum gut sortierten Elektronikmarkt und kauft sich ein nagelneues Floppy-Laufwerk – und zwar mit USB-Anschluss!  

 

Übernommen aus:

http://www.golem.de

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